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PN's Forum \ HiFi \ Filme und Musik \ Musik \ Hans Zimmer ein Musikpirat?


Speakerbuilder *

#1 Verfasst am 31.07.2016, um 19:42:28



Hi

Beim erneuten Ansehen des Filmes "Pirates Of The Caribbean - Fremde Gezeiten" ist mir ein interessantes Musik-Zitat zu Ohren gekommen. Und zwar baute der Filmkomponist Hans Zimmer tatsächlich ein paar Takte der "Symphonie Fantastique" von Hector Berlioz (1803-1869) ein! Beim Film ist es bei 1 Std 54 Min 50 Sek. Hier kann man sich den Teil der Symphonie anhören ab 3 Min. 33 Sek.: https://youtu.be/mSThRFOU5wE Überzeugt euch selber.

Ich denke mal, dass dies von Hans Zimmer eine Art Verneigung vor Berlioz sein soll.

Ich finde es auch Toll von Hans Zimmer, dass er damit in Erinnerung ruft, dass Filmmusik ohne die klassischen Meister als Vorbilder undenkbar wäre.



Interessiert wahrscheinlich niemanden... hehe

Gruss SB

PS. Dieser Film ist meiner Meinung nach einer der Besten aus der Piratenfilmreihe und wirklich genial vertont.


„Mache die Dinge so einfach wie möglich – aber nicht einfacher.“ (Albert Einstein).

Hale

#2 Verfasst am 31.07.2016, um 20:32:19



Ich vermisse die Gameshow "Hast du Töne"; darin war ich fast so gut, wie in Der Preis ist Heiß.

In der TU Berlin saß ich mal in einer Vorlesung, die sich mit mathematischen Aspekten der Musiktheorie beschaeftigte und in der u.A. auch errechnet wurde, wie viele moegliche Kombinationen - nach westlicher Harmonielehre - ueberhaupt machbar seien. Sooo viele waren es dann schlussendlich doch nicht.
Wer sich also innerhalb eines bestimmten Genres bewegen moechte, kann quasi gar nicht umhin, Takt und Melodie zu waehlen, die in dieser, oder abgewandelter Form schon x-mal Verwendung fanden. Erfolgreich wird derjenige, der seine Vorlagen geschickt zu verschleiern vermag.



Speakerbuilder *

#3 Verfasst am 31.07.2016, um 22:42:50



Interessanter Aspekt. Wenn ich aber ehrlich bin, möchte ich gar nicht so genau wissen, wieviele mögliche Kombinationen es tatsächlich gibt. Irdgendwie verdirbt das einem doch die Lust zum komponieren. Ein grosser Reiz ist doch daran gerade, etwas neues, noch nie dagewesenes zu erschaffen und der Nachwelt einen einzigartigen "Fingerabdruck" zu hinterlassen. Aber es ist schon so: Das Rad kann man schon lange nicht mehr neu erfinden. Man kann "nur" eine neue Variation herausbringen. Die musikalischen Vorlagen erwirbt man denke ich vor allem unbewusst und nimmt es quasi als Erbe in sich auf wenn sie wirklich von Gehalt sind. Billige und bewusste Kopien entlarven sich leicht und sind schwierig zu verschleiern. Selbst diese relativ geschickt verschleierte Kopie die Hans Zimmer von Berlioz in seine Filmmusik eingewoben hat, wird jedem, der die Symphonie Fantastique kennt relativ schnell offenbart, da sie praktisch Ton für Ton dem Original folgt und nur mit wenigen Pausen etwas unterbrochen wird. Deshalb glaube ich, das Hans Zimmer absichtlich dieses Ton-Zitat gebracht hat. Es ist einfach zu offensichtlich. Sonst hätte er sich mehr Mühe gegeben, die Melodie bis zur Unkenntlichkeit zu variieren.

In der Symphonie Fantastique wurde ja quasi die Melodie bzw. Hymne als Idee Fixe bezeichnet und hatte einen symbolischen Gehalt. Das bietet sich doch förmlich geradezu an, als symbolische Geste in einem Film einzuweben. Zur Filmszene würde es auch von der Story her passen. BTW: Sogar bei Asterix&Obelix wurde der Hund nach einem immer wiederkehrenden Thema benannt: Idefix Berlioz hatte damals wirklich eine Art zu komponieren hervorgebracht, welche man auch in anderen Genres als erzählerisches Grundgerüst verwenden kann. In der Psychologie auch unter Assoziation bekannt... Das kennen wir ja alle.




„Mache die Dinge so einfach wie möglich – aber nicht einfacher.“ (Albert Einstein).

Hale

#4 Verfasst am 01.08.2016, um 12:25:32



Gegen arbeiten koennte man allenfalls mit weiteren Zwischenton-schritten, doch dies fuehrt dann zu haargenau dem selben Problem, welches vor gar nicht allzu langer Zeit aufkam, als "die boesen schwarzen Tasten auf dem Piano" Einzug fanden. Musiktheorie ist eine Seite der Medallie, Harmonieverstandnis die andere.
In fernen Kulturen existieren ja sehr wohl andere Ansätze und selbst in der - etwas verstockten - westlichen Welt findet sich neben dem Genre der Experimentalmusik beispielsweise auch die https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lftontechnik#Analyse

Es braeucht halt einige Generationen, um der Zuhoererscharft etwas gaenzlich Neues nahe zu bringen.
Jedoch fuerchte ich, dass es trotz alledem die technisch, wie kompositorisch (ist das ein Wort?) simplen Genres bleiben, welche den populaeren Erfolg erzielen und damit den Kuenstlern ihren Verdienst ermoeglichen. Sprich: Jazzband fuer das anspruchsvolle Publikum, aber Volksmusik-Ensemble fuers Portemonnaie.




Speakerbuilder *

#5 Verfasst am 01.08.2016, um 18:49:57



Wobei die Aufspaltung oder Schubladisierung in E- und U-Musik eine Art musikalische Zweiklassengesellschaft suggeriert. Natürlich gibt es Leute die sich ganz klar zum einen oder anderen Genre bekennen, aber die Grenzen sind doch in Wahrheit fliessend. Die Evolution der Musik lässt sich mit der Evolution der Lebewesen vergleichen. Variation ist in beiden Bereichen nicht wegzudenken. Mit der Mathematik oder dem Intellekt lässt sich vieles beschreiben, aber niemals das Wunder ergründen. Andersrum heisst das nicht, dass sich mit mathematischen Ansätzen nicht auch gute Musik machen lässt. J.S.Bach ist hierfür wohl das beste Beispiel. "Die Kunst der Fuge" oder die "Goldbergvariationen" bezeugen dies eindrucksvoll. Bach konnte auch aus Melodien Musik machen, welche keine Intuitive Grundlage sondern rein intellektuelen Ursprung hatten. B-A-C-H ist das berühmteste Beispiel eines Melodiethemas. Was Bachs Werke (Und mögen die Ansätze noch so intellektuell gewesen sein) schlussendlich aber zu unsterblicher Musik machten war nicht der intellektuelle Ansatz sondern das musikalische Genie (Melodische, harmonische und rhythmische Intuition).

Fazit: Will man was neues, so muss man es variieren. Die Evolution des Lebens macht es uns vor und die Möglichkeiten scheinen nahezu unbegrenzt zu sein. Und sicher, dazu braucht es Zeit, viel Zeit.


„Mache die Dinge so einfach wie möglich – aber nicht einfacher.“ (Albert Einstein).

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